Antikapitalistische Abenddemo am 1.Mai! 18.Uhr Hauptbahnhof

Wie wir erfreut feststellen konnten, wird es am 1.Mai noch eine antikapitalistische Abenddemo geben. Diese startet um 18.Uhr am Hauptbahnhof. Hier nun der Aufruf, wie wir ihn auf der Antira-Würzburg Seite entdeckt haben:

Her mit dem schönen Leben für alle! Gegen Ausbeutung, Arbeitsfetischismus und Nationalismus!

Der 1. Mai ist traditionell der internationale Kampftag gegen wirtschaftliche Ausbeutung, politische Unterdrückung und für ein gutes Leben für alle Menschen. Er nimmt seinen Ursprung in den USA des späten 19. Jahrhunderts in den Massenunruhen, die sich 1886 aus Streiks für den Achtstundentag von Chicago über die ganzen USA und weltweit ausbreiteten.

Im kapitalistischen Wirtschaftssystem bedeutet jede Art von Arbeit Fremd- bzw. Selbstausbeutung.

Für uns kann es deswegen nicht darum gehen, lediglich „bessere Arbeitsbedingungen“, „Mindestlohn“ etc. zu schaffen oder die ärgsten Auswüchse der Ausbeutung wie Zeitarbeit zu bekämpfen. Derartige Abwehrkämpfe können ,wenn überhaupt, nur temporär und regional begrenzt minimale Erfolge bringen.

Die Weigerung, die Lohnarbeit als Ausbeutung an sich in Frage zu stellen, macht jede Kritik systemimmanent und ist Ausdruck einer allerorts propagierten und tief verinnerlichten Arbeitsideologie. Anstatt als Notwendigkeit zur Existenzsicherung begriffen zu werden, wird die Arbeit zum charakteristischen Teil der Person und Quelle individuellen Glücks stilisiert.

Sie definiert den Wert des Individuums und ist – nicht nur im materiellen Sinne – unabdingbare Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe. Um den Ausbeutungs- und Zwangscharakter der Arbeit zu verschleiern, wird sie positiv aufgeladen und damit zum Fetisch für die unbefriedigten zwischenmenschlichen Bedürfnisse in einer durchökonomisierten Welt.

Dieser Arbeitsfetischismus ergänzt den äußeren Zwang in – für das Funktionieren des Systems – idealer Weise und stabilisiert es gerade auch in Krisenzeiten enorm.

Arbeit ist im Kapitalismus nicht einfach das Verrichten gesellschaftlich notwendiger Tätigkeiten, sondern dient einzig dem Zweck Mehrwert in Geldform zu schaffen. Diese systemische Verrücktheit manifestiert sich nirgendwo anschaulicher als im Umgang mit arbeitssparenden Erfindungen. Anstatt diese für ein angenehmeres Leben und mehr Muße aller Beteiligten zu nutzen, werden Menschen durch Maschinen ersetzt und die Restlichen im Produktionsprozess verbliebenen gezwungen noch mehr zu arbeiten.

Dabei führt der Kapitalismus keineswegs zu allgemeinen Wohlstand wie von seinen ideologischen Verfechtern propagiert. Der Reichtum weniger steht weltweit wachsender Armut und Elend gegenüber, zwei Seiten der selben Medaille, die sich gegenseitig bedingen. So leben drei Viertel der Menschheit unterhalb des Existenzminimums, alle drei Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Unterernährung und heilbaren Krankheiten und erstmals seit Ende des 2. Weltkriegs verteilt das Rote Kreuz aktuell Nahrungsmittelpakete an 3,3 Mio. Spanier*innen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Eine ebenfalls das kapitalistische Ausbeutungssystem stabilisierende und verschleiernde Ideologie ist der Nationalismus. Das künstliche Konstrukt der Nation täuscht gemeinsame Interessen ihrer Mitglieder vor und leugnet grundlegende Klassengegensätze. So wird vorgegaukelt, dass beispielsweise ein*e Obdachlose*r und ein*e Millionär*in der selben Nationalität mehr gemeinsam hätten, als Menschen in gleichen Lebensbedingungen, aber mit unterschiedlicher Staatsbürgerschaft. Als ausgrenzendes Konzept leitet der Nationalismus jedwede Unzufriedenheit mit den eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen auf alles als „fremd“ definierte um, schafft Sündenböcke und schützt so die ungerechte Gesellschaftsordnung.

Lasst uns am 1. Mai gemeinsam für eine Welt ohne Grenzen und Klassen auf die Straße gehen, in der nicht für Kapitalakkumulation, sondern für den Bedarf und zum Wohle aller produziert wird!

Verbot des Naziaufmarsch am 1.Mai vom Verwaltungsgericht gekippt!

Wie nicht anders zu erwarten hat das Verwaltungsgericht das Verbot der Nazidemo am 1.Mai in Würzburg gekippt!

Alle aktuellen Infos wie Aktionskarten, Anlaufpunkte, EA-Nummer etc. werden am Wochenende veröffentlicht!

Wir rufen hiermit nochmals zur Teilnahme an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch auf!

Kein Fußbreit den Faschisten!

Neonaziaufmarsch erlaubt!

Wie zu erwarten war, hat das Verwaltungsgericht das Demoverbot der Stadt Würzburg gekippt. Die Faschisten dürfen also am 1.Mai laufen. Lasst uns das gemeinsam verhindern!

Naziaufmarsch vorerst verboten!

Die Stadt Würzburg hat den für den 1.Mai geplanten Neonaziaufmarsch verboten. Da dies jedoch mit der sehr schwammigen Aussage über die gefährdete Sicherheitslage und eventuelle „gewaltbereite GegendemonstrantInnen“ begründet wird, gehen wir stark davon aus dass dieses vorläufige Verbot, wie in solchen Fällen meist üblich, noch vom Gericht gekippt werden wird. Wir rufen alle AntifaschistInnen dazu auf in ihren Aktivitäten nicht nachzulassen und sich nicht aufgrund dieses brüchigen Verbots in vermeintlicher Sicherheit zu wiegen!

Gegen Naziterror, staatlichen und alltäglichen Rassismus – Verfassungsschutz abschaffen!

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BÜNDNIS-AUFRUF

Greift ein gegen Naziterror, staatlichen und alltäglichen Rassismus – Verfassungsschutz abschaffen!

Am 17. April 2013 wird in München der Prozess gegen das NSU-Mitglied Beate Zschäpe sowie vier der Unterstützer beginnen: Ralf Wohlleben, Holger Gerlach, Carsten Schultze und André Eminger.

Ein breites antifaschistisches Bündnis ruft deshalb zu einer bundesweiten Großdemonstration in München am Samstag vor Prozessbeginn auf.

Im November 2011 wurde bekannt, dass die rassistischen und mörderischen Taten der Nazis des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) sieben Jahre lang unter den Augen der Sicherheitsbehörden begangen wurden. Sie haben zehn Menschen ermordet und zwei Sprengstoffanschläge verübt. In den Medien wurde der Begriff „Döner-Morde“ geprägt und die Sonderkommission gab sich den Namen „Bosporus“. Damit schloss die Polizei von Anfang an rassistische Hintergründe der Morde aus, behandelte die Opfer wie Täter und ermittelte in Richtung organisierter „Ausländer-Kriminalität“.

Durch die rassistischen Ermittlungen der Sicherheitsbehörden wurden Familien, Verwandte und persönliches Umfeld der Opfer über Jahre überwacht und akribisch durchleuchtet. Durch den völlig unbegründeten Verdacht gegen das familiäre Umfeld der Opfer wurden soziale Zusammenhänge zerrissen und die persönliche Existenz zahlreicher Menschen zerstört. Der Rassismus von Behörden und Öffentlichkeit vehinderte so zweifach die Aufklärung der Morde: Während die Hinweise auf rassistische Hintergründe ausgeklammert und vernachlässigt wurden, erschien die These, migrantische Gewerbetreibende seien in mafiöse Strukturen verwickelt, der Polizei und einer breiten Öffentlichkeit unmittelbar einleuchtend und erübrigte weiteres Nachfragen.

Fünf der insgesamt zehn NSU-Morde fanden in Bayern statt, zwei davon in München. Zwischen dem „Thüringer Heimatschutz“, in dem die Haupttäter des NSU vor ihrem Abtauchen organisiert waren, und der bayerischen Naziszene bestanden in den 90er Jahren enge Verbindungen. Böhnhardt und Mundlos nahmen an verschiedenen Treffen und Veranstaltungen der Szene in Bayern teil. Einige der engsten Unterstützer_innen des NSU lebten oder leben immer noch in Bayern, u.a. Mandy Struck, deren Identität Beate Zschäpe im Untergrund angenommen hatte. Mit Tino Brandt und Kai Dalek stehen zwei V-Leute des Verfassungsschutzes auch für die Verbindung zwischen der thüringischen und der bayerischen Naziszene.

„Deutschland hat ein riesiges Rassismus-Problem“

Der strukturelle Zusammenhang von Naziterror mit staatlichem und alltäglichem Rassismus in Gesellschaft, Politik und Medien zeigte sich bei der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl nach den Pogromen Anfang der 90er Jahre wie auch jetzt bei aktuellen Anti-Islam-Kampagnen: Der Rassismus ist tief verankert in der Mitte der Gesellschaft. Dass sich auch nach dieser Mordserie nichts Grundsätzliches im Bewusstsein der Menschen verändert hat, verdeutlichen folgende Beispiele: Zwanzig Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen kämpfen Flüchtlinge immer noch für elementare Menschenrechte in Deutschland, werden Roma stigmatisiert und in eine unsichere Zukunft abgeschoben. Hier lebende Migrant_innen werden täglich diffamiert, bedroht, angegriffen und kriminalisiert.

Die Verharmlosung und Vertuschung von Rassismus und Naziterror hat Tradition in diesem Land. Rechte und rassistische Gewalttaten und Morde haben in Deutschland eine traurige Kontinuität. Die blutige Spur reicht vom bis heute unaufgeklärten Oktoberfestattentat, über die rassistischen Anschläge und Pogrome in Rostock, Mölln, Solingen und Hoyerswerda, über die seit 1989 rund 200 Morde an Migrant_innen, Obdachlosen, Punks und Antifaschist_innen bis hin zu den Morden des NSU.

München war dabei schon viele Male Schauplatz neonazistischen Terrors: Bei dem bisher größten faschistischen Anschlag in der BRD wurden 1980 durch einen Täter aus dem Umfeld der Wehrsportgruppe Hoffmann auf dem Münchner Oktoberfest 13 Menschen getötet und weitere 200 zum teil schwer verletzt. 1981 lieferten sich Neonazis auf dem Weg zu einem Bankraub mit Polizeibeamten in München eine Schießerei, bei der zwei Neonazis starben. 1984 setzten Neonazis der Gruppe Ludwig ein Lokal in der Schillerstrasse in Brand, wodurch eine Person getötet wurde. 2003 beschafften Neonazis aus der Kameradschaft Süd sich Waffen und Sprengstoff und planten u.a. einen Anschlag auf die Grundsteinlegung des neuen jüdischen Gemeindezentrums.

Seit Bekanntwerden der Mordserie des NSU offenbart sich eine erschreckende Politik der Verschleierung: Geschredderte und verheimlichte Akten, konsequentes Vertuschen und Lügen in Untersuchungsausschüssen, wenige, viel zu späte Rücktritte von Verantwortlichen. Eine transparente, schonungslose Aufklärung der Rolle von Geheimdiensten und Polizeibehörden findet bisher nicht statt. Statt ernsthafte politische Konsequenzen zu ziehen gegen Rassismus und die skandalöse Unterstützung des Aufbaus von Nazistrukturen durch Mitarbeiter_innen des (bayerischen) Verfassungsschutzes, reden die verantwortlichen Politiker_innen weiter von vereinzelten Pannen.

Rechte Gesinnung hat beim Verfassungsschutz (VS) Kontinuität: Gegründet im Jahre 1950 mit ehemaligen Nazis sorgte er dafür, dass Widerständler_innen gegen den Nationalsozialismus erneut in deutsche Gefängnisse kamen. In den 60er Jahren bekämpfte er die Student_innenbewegung, in den 70er und 80er Jahren lieferte er das Material für die Berufsverbote linker Aktivist_innen. Vor neun Jahren scheiterten die Pläne für ein NPD Verbot nicht zuletzt daran, dass diese bis in die höchsten Führungsetagen von V-Leuten und Spitzeln des Verfassungsschutzes durchsetzt war. Auch das ummittelbare Umfeld des NSU ist durchsetzt mit V-Leuten aus Verfassungschutz und Polizei.

Deshalb kann die einzige Konsequenz aus der Verstrickung der Behörden nur sein: Verfassungsschutz abschaffen! Wir müssen verhindern, dass die Regierung die NSU-Morde instrumentalisiert, um ihren Sicherheitsapparat weiter aufzurüsten, und damit endgültig eine der wenigen Konsequenzen aus dem deutschen Faschismus – die Trennung von Geheimdiensten und Polizei – rückgängig macht.

Unsere Anteilnahme und Solidarität gilt den Opfern des NSU-Terrors und ihren Angehörigen. Sie wurden nicht nur Opfer des militanten Rassismus der NSU-Täter_innen, sondern auch in der Folge noch durch die rassistischen Ermittlungen der Polizei drangsaliert.

Bekämpfen wir gemeinsam Rassismus in Gesellschaft, Politik und Institutionen!

Entschädigung für die rassistischen und diffamierenden polizeilichen Ermittlungen!

Schonungslose Aufklärung der Verstrickung von Geheimdiensten und Polizeibehörden!

Verfassungsschutz abschaffen!

Neue Ermittlungen zur Aufklärung des Attentats von 1980 in München!

Abschaffung aller rassistischen Gesetze – kein Mensch ist illegal!

Für eine rassismusfreie, solidarische Gesellschaft